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Interview mit Tahar Rahim

01.11.2015

Geschafft, aber zufrieden: Als wir Tahar Rahim („Ein Prophet“) in London begegnen, hat er gerade seine letzte Szene für „The Last Panthers“ abgedreht und ist mit großem Applaus vom Filmteam verabschiedet worden. Zeit, einen Gang runterzuschalten, hat er nicht. Für ihn geht es gleich weiter zum Filmfestival nach Cannes. Bevor er aufbricht, erzählt er uns von den Dreharbeiten in Marseille und von seiner Serienleidenschaft.

 

Wie fühlen Sie sich nach Ihrem letzten Drehtag?
Traurig, aber auch erleichtert. Der Rhythmus beim Dreh einer TV-Serie ist hart. Manchmal hast du am Tag fünf Szenen – das ist doppelt so viel wie bei einem Kinofilm. Dieses Tempo ist eine Herausforderung, wenn man sich wirklich in die Szenen und Dialoge vertiefen will, um sie möglichst glaubwürdig zu spielen. Man hat keine zwölf Takes wie beim Film. Andererseits ist das Tempo auch hilfreich, weil man immer am Limit bleibt. Das habe ich für meine Figur, den Cop Khalil, genutzt. Er ist rastlos, schläft auf dem Sofa und hat kein Zuhause.

Was hat Sie dazu bewogen, bei „The Last Panthers“ mitzuspielen?
Zunächst einmal die Figur des Cops Khalil. In Frankreich gibt es nicht oft die Gelegenheit, so eine Rolle zu spielen. Khalil ist ein bisschen verrückt, obsessiv und traumatisiert. Es ist das erste Mal, dass ich die Rolle eines Helden übernehme, der sich in gewisser Weise sein eigenes Grab gräbt und für den es keine Rettung gibt. Außerdem mag ich den Regisseur Johan Renck, seine Energie und seine Vision, die er für die Serie hatte.

Eine der großen Actionszenen in der Serie ist eine Razzia in Marseille. Wie waren die Dreharbeiten?
Das hat großen Spaß gemacht. Ich hab mich wie ein kleiner Junge gefühlt – mit hunderten von Cops um mich herum, die auf meine Befehle hörten. Wir haben in einer Hochhaussiedlung von Marseille gedreht. Die Leute haben uns freundlich empfangen und zu sich eingeladen. Das waren tolle Drehtage. Vorher hatten wir mehrere Tage mit der GIGN - einer französischen Spezialeinheit -  gearbeitet, um zu lernen, wie diese Cops ticken, wovor sie Angst haben und wie sie mit ihrer Waffe umgehen.

Sie sind durch Ihre Hauptrolle in dem Gangsterthriller „Ein Prophet“ eine Art Ikone in den Vororten von Marseille.
Die Leute kennen mich, das stimmt. Wir haben uns viel unterhalten. Aber ich bin kein Rockstar. Ich kann normal durch die Straßen laufen und einen Kaffee trinken gehen. Und ich hoffe, das bleibt so.

Mit welchen Schauspielern und Regisseuren würden Sie gern zusammenarbeiten?
Wenn Sie die nächsten drei Wochen Zeit haben, kann ich diese Frage gern ausführlich beantworten (lacht). Die Liste wäre einfach zu lang.

Gibt es in Ihren Augen heutzutage noch einen Unterschied zwischen Kino und Fernsehen?
Seit etwa zehn Jahren findet man echte Kinoqualität immer mehr im TV-Serienbereich. Beim Fernsehen hat man Zeit und Freiheit für düstere Themen, die im Kino nur schwer ihr Publikum finden würden. „Breaking Bad“  oder „True Detective“ sind zum Beispiel ziemlich dunkle Stoffe – aber sie sind sehr erfolgreich.

Was sind Ihre Lieblingsserien?
Ich liebe „Breaking Bad“, „Die Sopranos“ und – mein absoluter Favorit -  „The Wire“. Was ich an „The Wire“ bewundere: Nach den fünf Staffeln hatte ich den Eindruck, ein Einwohner der Stadt Baltimore zu sein, in der die Serie spielt. Ich muss nicht drei Jahre dort leben, um zu verstehen, wie man sich fühlt, wenn man dort wohnt. Das habe ich sonst noch nie erlebt. Keine soziologische Abhandlung könnte das so genau beschreiben wie diese Serie. Das finde ich unglaublich.

Können Sie sich vorstellen, hinter die Kamera zu wechseln und Regie zu führen?
Das ist eine Wunschvorstellung, aber ich weiß nicht, ob sie sich je realisieren wird. Es ist schon so schwer, einen schlechten Film zu drehen – wie schwierig muss es dann erst sein, einen guten zu machen?

Interview: Frank Geissler