"Es war eine extreme Herausforderung"

Franz Hartwig studierte an der renommierten Schauspielschule Ernst Busch in Berlin und hat mit namhaften Theaterregisseuren zusammengearbeitet, darunter Thomas Ostermeier, Falk Richter und Lars Eidinger. Er war in Kinofilmen zu sehen wie "Männerherzen" und "A Most Wanted Man" und vielen TV-Produktionen, unter anderem in zahlreichen Folgen des "Tatort". In "Der Pass" spielt er den Serienmörder Gregor Ansbach. Mit Sky sprach er über die besondere Herausforderung dieser Rolle.

Herr Hartwig, warum hat es Sie interessiert, in "Der Pass" mitzuspielen?

Weil diese Serie was ganz besonderes ist und ich vorher so etwas noch nicht gesehen habe. Die beiden Protagonisten und der Antagonist, den ich spiele, haben eine große charakterliche Tiefe. Und der Zuschauer erhält die Möglichkeit, einen Serienmörder gewissermaßen ins Privatleben zu begleiten und zu verfolgen, wie er denkt, handelt und seine Taten vorbereitet.

Gregor Ansbach ist eine widersprüchliche und vielschichtige Figur. Er kann freundlich wirken und handelt kaltblütig. War es eine Herausforderung so einen Menschen zu spielen?

Auf jeden Fall. Ansbach ist ein bösartiger Narzisst. Laut dem Fallanalytiker Alexander Horn, der uns beriet, zeichnet Menschen mit einer solchen Störung aus, dass sie extrem gut viele verschiedene Figuren spielen, weil sie die Leute darüber im Unklaren lassen müssen, wer sie eigentlich sind. Das war eine extreme Herausforderung. In den Szenen, in denen Ansbach mit anderen Menschen zu tun hat, musste ich mich immer fragen, wie er diesen gegenübertritt. Nur der Zuschauer weiß über mich Bescheid. Er sieht mir zu, wie ich die anderen Menschen hinters Licht führe.

Konnte Sie am Ende der Drehtage die Rolle des Gregor Ansbach gleich abhaken oder blieb noch etwas davon in Ihnen zurück?

Dadurch, dass ich vom Theater komme und gelernt habe, Figuren zu kreieren und sie nicht direkt zu mir selber zu machen, hatte ich keine großen Probleme. Bevor der Dreh beginnt, wenn ich reinsteige in die Figur, werde ich etwas unausstehlich. Ich war ganz froh, dass ich weg von meinem Privatleben agieren konnte und niemand – außer den Filmleuten – auf die Nerven gegangen bin.

War Ihnen die Figur des Krampus vorher schon bekannt?

Nein. Ich bin aus Dresden und kannte höchsten den Nikolaus oder den Knecht Ruprecht. Ich habe mich in den Krampus komplett neu eingelesen. Es ist auch nicht schlimm, wenn der Zuschauer die Figur nicht kennt. Man kommt da ziemlich schnell und sehr gut rein.

Es wurde viel bei Schnee, Kälte und grauem Wetter gedreht. War das anstrengend für die Schauspieler?

Zum Teil. Aber als Schauspieler werden wir ja immer sehr in Watte gebettet. Für die Bilder und dafür, wie wir spielen, hat es mehr gebracht als es uns abverlangt hat.

Spielen Sie lieber in Filmen oder Serien mit?

In „Der Pass“ spiele ich zum ersten Mal eine große Serienfigur. Deshalb kann ich nur von dieser Serie ausgehen. Natürlich ist es großartig, so eine komplexe Figur zu erzählen. So viel Zeit zu haben, ist ein großer Luxus. Das schließt aber den Film überhaupt nicht aus. Ich könnte mich nicht entscheiden, ob ich lieber in Filmen oder Serien mitspiele.

Sehen Sie selbst Serien?

Ja, aber ich bin kein Binge Watcher. Eine meiner ersten Serien war „Sopranos“. Mittlerweile habe ich sie dreimal gesehen. Spätestens nach den "Sopranos" dachte ich: Okay, das muss man mal machen. Jetzt hat es geklappt.

Interview: Dirk Buhrmann

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