UEFA Champions League
08.12.2011 20:10 Uhr
(sid/dpa) - Es seien bei einer Analyse der Wettbewegungen im Laufe des Donnerstags "keinerlei Unregelmäßigkeiten" festgestellt worden, teilte die Behörde mit.
Der kroatische Serienmeister Zagreb hatte am Mittwochabend bis zur 45. Minute 1:0 geführt, dann wurde er von Lyon überrollt. Stürmer Bafetimbi Gomis gelang der schnellste Dreierpack der Champions-League-Historie, insgesamt traf der französische Nationalspieler viermal.
Die zweite Halbzeit endete aus Lyoner Sicht 6:0 - und das in Zagrebs Maksimir-Stadion. Olympique schaffte es mit dem Kantersieg doch noch ins Achtelfinale; vor dem letzten Gruppenspiel hatte "OL" drei Punkte und sieben Tore (!) hinter Ajax Amsterdam gelegen.
Bei Dinamo führte eine der höchsten Pleiten in der Geschichte der Königsklasse zur Entlassung von Trainer Krunoslav Jurcic. Noch in der Nacht musste der Ex-Nationalspieler und WM-Dritte von 1998 seinen Hut nehmen, obwohl er in der kroatischen Liga mit Dinamo auf dem Weg zum siebten Meistertitel in Serie ist.
"Der Vereinsvorstand hat sich direkt nach dem Abpfiff zusammengesetzt und beschlossen, dass wir uns trennen. Das war ein beschämendes Ende unserer Ambitionen in Europa", sagte Dinamo-Geschäftsführer Zdravko Mamic: "Wir hatten langfristige Pläne mit Jurcic, aber diese Niederlage ist schwer zu verdauen."
Das Wettbetrugs-Warnsystem der UEFA hat nach der 1:7-Champions-League-Niederlage von Dinamo Zagreb gegen Olympique Lyon bislang keine Auffälligkeiten gemeldet.
Das teilte ein Sprecher der Europäischen Fußball-Union (UEFA) am Donnerstag mit. „Zum jetzigen Zeitpunkt“ habe das Warnsystem "keine irregulären Wettmuster bezüglich des gestrigen Spiels gezeigt, die eine Untersuchung rechtfertigen würden“, hieß es in einer schriftlich übermittelten Stellungnahme des europäischen Dachverbandes.
Die UEFA habe „die Berichte über das gestrige Spiel und die verschiedenen in Medien erhobenen Vorwürfe zur Kenntnis genommen" und warte nun die Berichte des Schiedsrichters, der Schiedsrichter-Beobachter und der Match-Delegierten ab.
Man wolle sehen, ob nach deren Ansichten „etwas Verdächtiges passiert sein könnte“. Wenn es in diesen Berichten Anhaltspunkte für Unregelmäßigkeiten gebe, werde die UEFA Untersuchungen einleiten. „Aber im Moment gibt es dafür keine Gründe“, heißt es weiter.
Zagreb hatte die Gruppenphase ohne Punkt und mit 3:22 Toren aus sechs Spielen als Letzter beendet und darf damit auch nicht in der Europa League weiterspielen.
Während Lyon die Vorwürfe zurückwies, verlangt Ajax offiziell Aufklärung durch die UEFA. "Wir wollen auf alle Fälle eine Reaktion von der UEFA", betonte Sportdirektor Martin Sturkeboom. "Wir erwarten nicht, dass dabei viel herauskommt. Aber gar nichts tun, ist auch keine Option." Dass bei Madrids 3:0 der portugiesische Referee Manuel Jorge de Sousa, Landsmann von Real-Coach José Mourinho, zwei legale Ajax-Tore nicht anerkannte, machte den faden Beigeschmack zum Abschluss der Vorrunde komplett.
Franz Beckenbauer fordert Ermittlungen der UEFA-Disziplinarkommission gegen Dinamo Zagreb - allerdings nicht wegen möglicher Manipulationen bei der 1:7-Niederlage der Kroaten gegen Olympique Lyon. "Die Zagreber Mannschaft hat sich völlig gehen lassen. Ihr Auftreten widerspricht den Kernwerten der UEFA von Fairplay und Respekt. Das ist ein Fall für die UEFA-Disziplinkommission", sagte Beckenbauer der Bild-Zeitung. An Bestechung glaubt der "Kaiser" nicht: "So weit will ich nicht gehen."
Die Torfolge am Mittwochabend in Zagreb:
1:0 Kovacic (41.), 1:1 Gomis (45.), 1:2 Gonalons (48.), 1:3 Gomis (49.), 1:4 Gomis (52.), 1:5 Lisandro (65.), 1:6 Gomis (70.), 1:7 Briand (76.)
Zwei Funktionäre des kroatischen Fußball-Verbandes HNS sind wegen des Verdachts der Manipulation bei mindestens einem Spiel der höchsten Liga festgenommen worden. Beide sitzen seit Donnerstag in Untersuchungshaft. Das berichtete die staatliche Nachrichtenagentur HINA am Freitag.
Bei den betroffenen Personen handelt es sich um den Verbands-Vizepräsidenten und früheren Schiedsrichter, Zeljko Siric, sowie den Chef der Schiedskommission, Stjepan Djedovic. Zu weiteren Stellungnahmen waren der Verband sowie die Korruptionsbekämpfungs-Agentur USKOK nicht bereit.
Siric galt lange als einer der besten Referees des Landes und hatte oft die brisanten Duelle zwischen den Erzrivalen Dinamo Zagreb und Hajduk Split geleitet. Im vergangenen Jahr hatte die USKOK rund 20 Profis, Trainer und Funktionäre wegen Manipulation festgenommen. Die meisten von ihnen wurden schuldig gesprochen.