Interview

26.07.2010 16:00 Uhr Formel 1

"Alonso kontrolliert Ferrari“

Nach dem Teamorder-Eklat beim Ferrari-Doppel-Sieg in Hockenheim spricht Formel-1-Experte Marc Surer bei Sky.de über die Hintergründe und verrät, warum Ferrari so plump vorgehen musste.

Sky.de: Herr Surer, halten Sie das Teamorder-Verbot für sinnvoll?

Marc Surer: Ja, denn es ist im Prinzip Betrug am Publikum und den betreffenden Fahrern. Daher finde ich es schon gut, wenn die Piloten gegeneinander fahren. Die Lage von Massa, der nach langer Zeit und nach seinem Unfall im vergangenen Jahr mal wieder die Möglichkeit hat, ein Rennen zu gewinnen, ist natürlich knallhart. Deswegen bin ich gegen eine Stallorder. Grundsätzlich ist zwar nichts dagegen einzuwenden, dass man den schnelleren Fahrer vorbei lässt, aber man sollte es nicht so offensichtlich machen. Das ist eine Veralberung des Publikums.

Sky.de: Warum war die Ansage über den Ferrari-Team-Funk so offensichtlich?

Surer: Ich denke, sie war so offensichtlich, weil Massa sich nicht fügen wollte. Der hat seine Chance gesehen, das Rennen zu gewinnen und war nicht gewillt nachzugeben. Dann haben sie es ihm ein bisschen deutlicher sagen müssen. Wir haben alle gesehen, dass Alonso der Schnellere war, aber er kontrolliert auch das Ferrari-Team. Das hat man am Sonntag ganz deutlich gemerkt. Sein Ausspruch ‚Das ist lächerlich’, als er hinter Massa herfuhr, das war eine klare Aufforderung an das Team, etwas zu unternehmen. Für ihn ist es ganz klar sein Stall - und Massa hat sich zu fügen.

Sky.de: Was halten Sie von der Geldstrafe in Höhe von 100.000 Dollar für Ferrari?

Surer: Die Strafe ist mild und tut nicht unbedingt weh. Und die Teams kennen jetzt den Preis für eine Teamorder-Ansage. Das Problem ist aber die Beweisbarkeit der Geschichte, denn das Reglement sagt, dass teamtaktisches Fahren erlaubt ist. Man darf tatsächlich den schnelleren Fahrer vorbei lassen. Aber man darf den anderen eben nicht zurückpfeifen. Das ist eine Grauzone, und die FIA tut sich da schwer.

Sky.de: Haben sich die Top-Teams Ferrari, McLaren und Red Bull ein Luxus-Problem geschaffen, mit je zwei Fahrern pro Stall, die um die Weltmeisterschaft kämpfen?

Surer: Das hat natürlich gleichermaßen positive wie negative Auswirkungen. Wenn man zwei starke Piloten hat, die beide vorne mitfahren, dann nimmt man der Konkurrenz damit Punkte weg. Und wenn einer von beiden ausfällt, kann der andere immer noch um den Sieg mitfahren. Aber man schafft sich eben auch dieses Luxusproblem, dass beide die Nummer eins im Team sein wollen.

Sky.de: Vor allem beim Start sah Sebastian Vettel am Sonntag nicht gut aus. Hat er ein grundsätzliches Start-Problem?

Surer: Seit zwei Rennen, ja. Zuvor konnte man nichts in der Richtung erkennen. Das ist eher neu und Red Bull muss herausfinden, woran es liegt, dass Vettel nicht mehr wegkommt.

Sky.de: Hätte Vettel denn gewonnen, wenn er den Start nicht vermasselt hätte?

Surer: Die Ferraris waren sehr stark. Aber wir haben gesehen, dass zum Schluss wieder der Red Bull das schnellste Auto im Feld war. Hätte Vettel es geschafft, die Ferrari zu Beginn in Schach zu halten, dann hätte er das Rennen auch gewinnen können. Aber das wissen wir natürlich jetzt nicht.

Die Fragen stellte Sky.de-Redakteur Manuel Krons