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02.02.2011 15:13 Uhr Formel 1

Schumi sieht Verbesserungen am Boliden

Das Vertrauen in den neuen Silberpfeil ist groß, Michael Schumacher sieht eine deutliche Steigerung gegenüber 2010 und hält Siege schon bald für realistisch. "Ich gehe davon aus, dass wir den Nagel vielleicht noch nicht ganz mittig auf den Kopf getroffen, aber doch getroffen haben", sagte Schumacher, der am Dienstag in Valencia seine ersten Runden im neuen Auto gedreht hatte, in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung. Siege in dieser Saison wären dann wohl hundertprozentige Mercedes-Erfolge, denn laut dem Fachmagazin auto, motor und sport stehen die Stuttgarter davor, die noch fehlenden 24,9 Prozent der Anteile von Teamchef Ross Brawn zu übernehmen.

Schumacher sieht sich und das Team nach seiner durchwachsenen Comeback-Saison im Fahrplan, den er für seinen Drei-Jahres-Plan angesetzt habe: "Wir können um die Weltmeisterschaft mitfahren", sagte er: "Ob wir das gleich in diesem Jahr hinbekommen, bezweifle ich noch ein bisschen. Aber Podiumsplätze und Siege? Doch, das sehe ich als realistisch an."

Dafür, dass es im vorigen Jahr noch nicht so lief, wie erhofft, sieht Schumacher Gründe. "Die Anpassung hat länger gedauert, als ich es mir vorgestellt hatte. Erst das letzte Saisondrittel war mehr oder weniger so, wie ich es gerne vorher schon gehabt hätte: nicht absolut, aber es ging in die richtige Richtung", sagte der frühere Ferrari-Pilot, der mit dem Silberpfeil Probleme hatte.

Altes Auto eine „kleine Fehlgeburt“

"Das Auto ist nicht nur aus meiner Sicht eine kleine Fehlgeburt gewesen. Zu dem Zeitpunkt, als ich bei Mercedes unterschrieben habe, war die Entwicklung des Autos schon fertig, ich musste damit einfach klarkommen", sagte Schumacher. Der Boliden sei für die Vorlieben seiner Vorgänger konzipiert gewesen, auf eine "extreme Nicht-Übersteuer-Tendenz. Das ist mir nicht entgegengekommen."

Nach Meinung von "Superhirn" Brawn, der bei Benetton und Ferrari Schumacher zu all seinen sieben Titeln geführt hatte, ist Schumacher an den Widrigkeiten des Vorjahres weiter gewachsen. "Versprechen kann ich nichts. Aber ich habe schon gegen Ende des vergangenen Jahres einige bessere Rennen von ihm gesehen. Deshalb bin ich sicher, dass er in seinem zweiten Comeback-Jahr stärker sein wird als im ersten", sagte Brawn in einem Interview mit der Sport Bild: "So wie ich ihn kenne, machen ihn die Rückschläge des vergangenen Jahres nur noch stärker."

Brawn stellt Rosberg auf eine Stufe mit Schumacher

Neben dem zu schwachen Auto habe sich Schumacher auch - für ihn ungewohnt - mit einem extrem starken Teamkollegen zurechtkommen müssen, meinte Brawn. "Nico Rosberg ist ein extrem talentierter Junge. Er hat aus dem nicht besonders großartigen Auto einfach mehr rausholen können als Michael", sagte der Brite: "Das musste Michael erst einmal verstehen. Immerhin ist er es nicht gewohnt, geschlagen zu werden. Manchmal wollte er auch einfach zu viel. Der Übereifer verbesserte aber keine Rundenzeiten."

Den 25 Jahre alten Rosberg stellt Brawn unterdessen schon fast auf eine Stufe mit Schumacher. "Nico macht extrem wenig Fehler, ist schnell und konstant. Er hat alle Qualitäten, die ein Weltmeister braucht", sagte der Mercedes-Teamchef. Er hofft darauf, noch lange mit Rosberg arbeiten zu dürfen. "Es ist sehr wichtig, dass wir Fahrer vom Kaliber eines Nico Rosberg langfristig an uns binden. Und ich wäre sehr glücklich, wenn unsere Beziehung zu Nico noch lange andauern würde", sagte Brawn: "Es wäre für mich eine Ehre, als Teamchef Teil seiner Reise zum WM-Titel zu sein. Genauso wie es für mich etwas Besonderes wäre, noch einmal mit Michael zu gewinnen."

Dann aber wohl nicht mehr als Teilhaber, sondern "nur" noch als Teamchef, wenn Mercedes gut 13 Monate nach der Übernahme des Teams gemeinsam mit Daimler-Großaktionär Aabar aus Abu Dhabi auch die restlichen Anteile übernimmt. Von Seiten des Konzerns gab es für die bevorstehende Transaktion noch keine offizielle Bestätigung. "Zu Spekulationen nimmt unser Haus generell keine Stellung. Nur wenn es Fakten geben sollte, werden wir zu gegebener Zeit informieren", sagte ein Mercedes-Sprecher am Mittwoch am Rande der Testfahrten in Valencia.