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Exklusiv-Interview Andreas Herzog

„Wenn ich jetzt höre Felix Magath!“

Sky Experte Andreas Herzog fordert ein Umdenken in den Chefetagen der Bundesligaklubs: Statt verdiente Trainer aus dem Ausland mit Millionengagen ins Land zu locken, plädiert er im Exklusivinterview mit Sky für eine österreichische Lösung.

Sky: Am Sonntag steigt das 296. Wiener Derby. Ihr Ex-Klub Rapid hat am vergangenen Wochenende 2:0 gegen Ried gewonnen, liegt aber immer noch acht Punkte hinter der ebenfalls siegreichen Austria zurück. Was ist los mit dem Rekordmeister?

Andreas Herzog: Dass Rapid abgeschlagen ist, ist für mich eine Folge, dass in den letzten Jahren immer wieder die besten Spieler ins Ausland verkauft worden sind. Zudem bräuchten sie im Mittelfeld noch einen Kreativen zusätzlich zu Kapitän Steffen Hofmann.

Der Erzrivale Austria begeistert dagegen mit attraktivem Kurzpassspiel. Als U21-Coach kennen Sie einige der Hauptdarsteller persönlich. Sind Sie überrascht über die Entwicklung beispielsweise eines Zlatko Junuzovic?
„Nein. Er war schon als 18-Jähriger im Nationalteam dabei, als ich 2006 Assistenztrainer war. Seit dem Wechsel zur Austria (2009, Anm. d. Red.) ist er einer der dominierenden Spieler in Österreich und zu Recht Fußballer des Jahres.“

Für die „Veilchen“ kommt es knüppeldick. Erst das Derby, dann am nächsten Spieltag die Auswärtspartie in Salzburg. Die „Woche der Wahrheit“?
„Das kann man so sagen. Wenn sie Meister werden wollen, müssen sie sich da einen Vorsprung rausholen.“

Der Spitzenreiter profitiert aber nicht nur von schwächelnden Rapidlern. Auch Meister Red Bull Salzburg lässt regelmäßig wichtige Punkte liegen.
„Die Mannschaft hat ihr Potenzial noch nie ausgespielt. Jetzt sind einige wichtige Spieler verletzt. Da muss man sich über die Runden retten. Man braucht nur aufs Torverhältnis blicken, dann weiß man, wie eine Mannschaft funktioniert. Sie haben nach 24 Runden 27 Tore. Das kann nicht der Anspruch für eine Mannschaft wie Salzburg sein. Die spielerische Qualität nach vorne fehlt.“

Ihr Sky Experten-Kollege Hans Krankl stört sich vor allem an der Außendarstellung von Trainer Huub Stevens. Der Holländer sei grimmig und nach jedem Match brennheiß. Reagiert Stevens auch in Ihren Augen zu dünnhäutig auf Kritik, die bei Platz vier zwangsläufig kommt?
„Logisch hast du Druck, weil jeder von Salzburg den Titel erwartet. Er ist schon sehr leicht reizbar in dieser Situation. Eigentlich müsste er da lockerer drüberstehen, wenn man bedenkt, wie erfahren er ist mit seinen Erfolgen in Deutschland und dem Gewinn des UEFA-Pokals.“

In den Medien kursiert schon das Gerücht, Felix Magath sitze bald auf der Salzburger Trainerbank. Ist die Stevens-Ära in der Mozartstadt wirklich zu Ende?
„Das glaube ich nicht. Man muss sehen, wie es in den nächsten Wochen läuft. Salzburg hat noch die Chance, Meister zu werden. Mein Problem ist ein anderes: In Österreich werden immer ausländische Trainer geholt, wenn man erfolgreich sein will. Die kosten Abermillionen. Allein in Salzburg bist du in den letzten vier, fünf Jahren im zweistelligen Millionenbereich. Und es hat noch nicht einer die Qualifikation für die Champions League geschafft. Wenn ich jetzt höre Felix Magath. Nichts gegen Magath. Aber es kommen immer Leute, die die Liga in Österreich und die Spieler gar nicht kennen. Das ist hinderlicher, als einen Trainer zu haben, der international noch keine Erfolge aufzuweisen hat.

Sehen Sie denn jemanden in Österreich, der einen Klub wie Salzburg trainieren kann?
„Wir haben genug junge Trainer. Wir stellen uns immer selber hin, als hätten wir keine Ahnung vom Fußball. Top-Trainer aus dem Ausland kommen nach Österreich, aber schaffen die Qualifikation für die Champions League auch nicht. Lass es einen Einheimischen sein, dann heißt es: Der ist noch nicht so weit, der hat keine Ahnung. Ich glaube, man muss in Österreich umdenken.“

Wer genau sind die „jungen Trainer“, die sie ansprechen?
„Es gibt genug Beispiele in der Bundesliga, wie Peter Schöttel, der seit Monaten kämpfen muss, weil Finanzier Frank Stronach aussteigt und trotzdem Salzburg schlägt, Rapid schlägt. Oder Walter Kogler, der mit Innsbruck aufsteigt und wochenlang vorne mitspielt.“

Das Interview führte Thomas Assenbrunner.
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