Die beiden Rebellen Peter (Stipe Erceg) und Jan (Daniel Brühl) sind "Die Erziehungsberechtigten": Aus Wut über die Ungerechtigkeit dieser Welt brechen sie nachts in die Villen reicher Berliner ein. Allerdings klauen sie nichts, sondern stellen nur das Mobiliar auf den Kopf. Da hängt dann schon mal die Marmorbüste am Strick von der Decke, die Stereoanlage liegt im Kühlschrank. Außerdem jagen die beiden Revoluzzer den Villenbesitzern mit einer Drohbotschaft Angst ein: "Die fetten Jahre sind vorbei!". Als Peter im Urlaub ist, verliebt sich Jan in dessen Freundin Jule (Julia Jentsch) und weiht sie in das Geheimnis der "Erziehungsberechtigten" ein. Bald darauf werden alle drei beim Einbruch in die Villa des Managers Hardenberg (Burghart Klaußner) von diesem höchstpersönlich ertappt. In einer Kurzschlussreaktion überwältigen sie ihn und entführen ihn in eine verlassene Tiroler Berghütte. Dort müssen die drei allmählich feststellen, dass ihr vermeintlicher Klassenfeind einst selbst ein überzeugter 68er war. Und während sich die Jugendlichen angesichts ihrer Dreiecksbeziehung gegenseitig zerfleischen, schwelgt Hardenberg in Erinnerungen an die Zeit des Kommunenlebens und der freien Liebe.
Hans Weingartners ("Das weiße Rauschen") clevere Ode an die Jugendbewegung wurde 2004 zum großen Überraschungserfolg: Als erster deutscher Beitrag seit elf Jahren lief der Film im Wettbewerb des Festivals von Cannes und wurde von Publikum und Presse begeistert aufgenommen. Kein Wunder: An der Seite der zwei frisch aufspielenden Jungstars Daniel Brühl und Julia Jentsch lieferte Burghart Klaußner als Bonze mit Vergangenheit eine Glanzleistung ab und wurde mit einem deutschen Filmpreis als bester Nebendarsteller belohnt. Hans Weingartner drehte sein Revoluzzerdrama standesgemäß im Guerrilla-Stil: Mit kleiner digitaler Handkamera bewaffnet, zogen der Regisseur und sein nur 7-köpfiges Team durch Berlin und Tirol und drehten den Film innerhalb weniger Wochen ab.